Die DLRG warnt immer wieder: Die Farbe der Badekleidung kann bei Ertrinkungsunfällen über Leben und Tod entscheiden. Aber wie extrem der Unterschied wirklich ist, können sich die wenigsten vorstellen.

Auf Social Media häufen sich die Posts zu dem Thema: „Welche Farben kann man bei Badekleidung gut unter Wasser sehen?“ oder auch „Warum sollte man für Kinder unbedingt Neon-UV-Badekleidung kaufen?“. Regelrechte Diskussionen gibt es unter manchen Beiträgen. Einige Eltern sagen: „Das ist unverantwortlich, wenn man den Kindern einfach blaue Badekleidung gekauft hat.“ Andere wiederum kommentieren: „Das bringt doch alles nichts, wie haben wir nur früher überlebt?!“.

Damit ihr aber genau Bescheid wisst, welche Farbe wirklich unter Wasser sichtbar ist, bin ich einmal für euch in den Teich und in ein Schwimmbecken gesprungen. Ich habe Fotos von vielen unterschiedlichen UV-Kleidungsstücken, Badehosen und Shirts in verschiedenen Farben gemacht – und konnte Überraschendes beobachten.

Welche Farbe bei Badekleidung ist sicher? Der Schwimmbad-, Pool- und Teich-Test

Den ersten Farbtest machte ich in einem Schwimmbad. Wichtig ist hier zu nennen, dass das Schwimmbad eher einen hellen Boden hat, ähnlich wie in einem Pool. Die Farben verhalten sich allerdings anders, wenn das Schwimmbecken eher dunkel ist. Wenn ich so eines finde, werde ich dort auch noch Fotos machen. Ich habe die Kleidung einmal in 30 cm Tiefe getestet und einmal in 1 m Tiefe (Kinder sind mit ungefähr vier Jahren einen Meter groß). Die 30 cm habe ich gewählt, weil ich mir vorgestellt habe, jemand wäre im Wasser umgefallen und noch nicht sehr tief gesunken. Getestet wurden die Farben: Weiß, Beige, Rosa, Grün, Türkis, Hellblau, Dunkelblau, Schwarz, Orangetöne, Neonorange, Neonpink und Rot.

Das Wasser wurde jedes Mal ein bisschen aufgewirbelt, um die Bedingungen realistischer zu machen. Die Oberfläche in einem normal benutzten Schwimmbecken oder Pool ist schließlich auch nicht ganz flach, sondern weist kleine Wellen und Lichtreflexionen auf. Kurz: Nur Neonfarben bleiben unter Wasser zuverlässig sichtbar — und auch die nur bis etwa 30 cm bei bewegter Oberfläche.

Die Bedingungen im Teich waren etwas anders: Da liegen manche Kleidungsstücke nicht mal mehr als 20 cm unter der Wasseroberfläche und können schon nicht mehr gesehen werden. Das liegt vor allem daran, dass der Teich viel dunkler ist, aber auch daran, dass schnell Dreck und Schmutz aufgewirbelt werden, die natürlich die Sicht behindern. Das Bild darf gern geteilt werden mit Quellenangabe (Nennung von Wasteless_Hero und der URL hier).

Das Ergebnis vom Pool-Test – Welche Farben sieht man gut im Schwimmbad unter Wasser?

Das erschreckende Ergebnis im Schwimmbad-Test ist, dass blasse Farben wie Weiß, Beige, Hellblau oder zartes Rosa schon in 30 cm Tiefe fast nicht mehr sichtbar sind, sobald die Wasseroberfläche bewegt wird. Hellblau verschmilzt komplett mit dem Beckenboden. Dunkles Blau ist ebenfalls kaum erkennbar. Überraschend war Schwarz, das man in 30 cm Tiefe noch relativ gut erkennen kann. Bei einem Meter Tiefe könnte es aber auch einfach eine Markierung im Becken sein oder Dreck, der im Becken schwimmt. Kleiner Hinweise, es handelt sich hier um einen praktischen Sichtbarkeitstest, keine Studie.

Starke Farben wie ein kräftiges Orange und vor allen Dingen Neonfarben sind hier am allerbesten sichtbar. Auch Rot war überraschend: Im Test war es ein relativ dunkles Rot, aber auch das ist bei 30 cm noch sichtbar. Bei einem Meter Tiefe wirkt es jedoch eher wie Schwarz und könnte ebenfalls wieder mit einer Markierung oder etwas anderem verwechselt werden.

In einem Meter Tiefe lassen sich wirklich nur noch die Neonfarben sehen und klar erkennen. Alles andere verschwimmt mit dem Wasser, dem Boden oder kann mit etwas anderem verwechselt werden.

Das Ergebnis vom Teich-/See-Test: Welche Badekleidung kann man gut erkennen?

Als ich die unterschiedlichen Badebekleidungen im See getestet habe, ist mir etwas aufgefallen, an das ich selbst vorher nicht gedacht habe: In einem See, in dem viele Leute schwimmen, wird auch viel Dreck aufgewirbelt. Das bedeutete, dass manche Farben von UV-Kleidung, wie Weiß oder alle hellen Blautöne gar nicht mehr sichtbar waren – und hier war die Kleidung nicht mal 30 cm, sondern eher 20 cm unter der Wasseroberfläche! Es konnte eigentlich gar kein Blauton mehr erkannt werden. Schwarz konnte nur erkannt werden, weil der Boden an dieser Stelle braun war. Man könnte Schwarz natürlich trotzdem leicht mit etwas anderem verwechselt werden, etwa einem großen Blatt.

Selbst Rot war bei einer bewegten Wasserfläche kaum noch erkennbar. Die einzigen Farben, die überhaupt noch erkannt werden konnten, waren die Neonfarben. Aber hierzu gibt es einen wichtigen Hinweis: Ich habe die Sachen teilweise nur 15 bis 20 cm unter die Wasseroberfläche gehalten. Zum Testen habe ich die Neonfarben auch in 1 m Wassertiefe gehalten – da war gar nichts mehr sichtbar! Das heißt: Sollte ein Mensch in so einem Wasser untergehen, hilft auch die Neonfarbe nicht mehr viel, denn um von 30 cm auf 1 m zu sinken, braucht es leider nicht mal eine Minute. Hier helfen Neonfarben wirklich nur an der Wasseroberfläche oder wenn das Kind am Ufer spielt und man es aus den Augen verliert. Falls du wissen willst, welche UV-Kleidung zudem noch Standard 801 zertifiziert ist und auch Schadstoffe geprüft ist, schau gern in meinen UV-Guide.

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Schützt Neon-Badekleidung Kinder wirklich vor dem Ertrinken?

Nein! Das große Problem an einigen Social-Media-Posts zu diesem Thema ist meiner Meinung nach, dass sich Eltern oder Aufsichtspersonen dadurch in falscher Sicherheit wiegen. Man denkt sich: „Okay, wenn was passiert, ist mein Kind wenigstens schnell auffindbar.“

Anhand der Fotos und Videos auf meinen Social-Media-Kanälen sieht man aber sehr eindringlich, dass man in 30 cm bis 1 m Wassertiefe bei bewegter Oberfläche eigentlich maximal zwei bis drei Farben noch gut erkennen kann. Wenn die Kleidungsstücke dann auch noch klein sind, sind sie kaum noch auszumachen – es sei denn, man weiß ganz genau, wo man im Wasser suchen muss. Bei einem großen Schwimmbad oder einem großen See hilft auch keine Neonkleidung mehr.

Das Einzige, was wirklich zum Kinderschutz hilft, ist: Aufpassen, aufpassen, aufpassen! Natürlich ist das nicht immer leicht, aber was helfen kann, sind feste Routinen:

  • Den Kindern immer direkt Schwimmflügel anziehen, sobald man nur in die Nähe von Wasser kommt (am besten noch vor dem Verlassen der Umkleidekabine).
  • Sich untereinander klar absprechen, wer gerade die Aufsicht für welches Kind hat.
  • Kleine Rituale einführen: Das Kind muss z. B. immer erst bei den Eltern „abklatschen“ oder man macht einen kurzen „Pool-Tanz“, bevor es ins Wasser geht. So lernt das Kind, sich vor dem Sprung ins Nass immer abzumelden.

Aber all das ist keine Garantie. Das Allerwichtigste bleibt die konstante Aufmerksamkeit. Und dann ist es auch völlig okay, wenn man mit zwei Kleinkindern mal sagt: „Ich habe heute einfach keinen Nerv fürs Schwimmbad“ und lieber zu Hause bleibt.

Idee: Kleiner Live-Test mit Kindern im Schwimmbad

Wenn euer Kind die leuchtenden Farben vielleicht nicht gerne trägt, könnt ihr gemeinsam ein kleines Experiment machen: Ihr nehmt eine Taucherbrille (oder einen unauffälligen Gegenstand) und werft sie einfach mal zwei Meter vor euch ins Becken. Fragt euer Kind: „Kannst du sie noch sehen?“ Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist sie aus dieser Entfernung kaum noch auffindbar – weil sie klein ist, aber eben auch, weil sie keine Neonfarbe hat. Das öffnet oft auch den Kleinen die Augen. Oder wenn ihr könnt, nehmt ein extra Badekleidungsstück mit und zeigt den visuellen Unterschied direkt im Wasser.

Quellen:

DLRG-Tipp: SWR Aktuell: Farbenfrohe Badebekleidung kann Leben retten


So habe ich getestet (Selbstversuch, kein Laborversuch)

  • Wer/wie: Beobachtungs-Test, von mir selbst durchgeführt und fotografiert. Kein Messgerät — beurteilt wurde die Sichtbarkeit mit bloßem Auge bzw. auf den Fotos. 
  • Wo: Zwei Umgebungen — ein Schwimmbecken mit hellem Boden (poolähnlich) und ein natürlicher Teich/See mit dunklem Grund.
  • Wassertiefe: Pool bei 30 cm und bei 1 Meter (≈ Körpergröße eines 4-Jährigen). Teich teils schon bei 15–20 cm sowie bei 1 Meter.
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