Von Kunsstofffolien-Herstellerin zur Tofuheldin?

Ein klares „WOW“ an diese Frau!
Eva arbeitete in der Kunststoffbranche, genauer gesagt in der Entwicklung von Kunststofffolien. Also quasi genau das Gegenteil von Plastikfrei und Zerowaste. Sie fand ihren damaligen Job sehr spannend, wollte gleichzeitig dennoch mehr dafür sorgen, dass es bessere Lösungen für die Umwelt gibt.
Außerdem klärt sie im Interview auch darüber auf für Tofu wirklich immer Regenwald abgeholzt wird, gibt die ehrliche Tipps wie du den richtigen Beruf für dich findest und zeigt Lösungen für Firmen auf, die nachhaltiger werden wollen.
Danke Eva, dass ich dich interviewen durfte!!!

Was machst du beruflich?

Ich bin Diplomchemikerin mit Schwerpunkt Polymerchemie und arbeite im Einkauf für Verpackungsmaterialien, Betriebs- und Hilfsstoffe.

Wie kam es dazu, dass du diesen Job machst?

Schicksal? Ich fand meinen vorherigen Job auch interessant, ich habe in der Entwicklung von Kunststofffolien gearbeitet, aber mir war die Ausrichtung der Unternehmen zu konservativ und zu wenig innovativ. Ich habe mich schon vor 3 Jahren gefragt, warum die Folien nicht dünner werden, weniger crazy Inhaltsstoffe nutzen, mehr in Richtung „Bio“ (stärker nachhaltige Materialien, auch wenn das Thema immer noch recht unübersichtlich ist). Nach einigen Weiterbildungen und erfolglosen Vorstellungsgesprächen habe ich die Stelle bei diesem Hersteller von Tofuprodukten gesehen und hatte eine einzige Übereinstimmung: Erfahrung in Verpackungsmaterialien. Ich habe meine Chancen auf den Job sehr gering eingeschätzt, aber ich habe gleichzeitig gedacht: Egal, ich habe nichts zu verlieren und habe mich beworben. Offenbar mit Erfolg 🙂 Seit Anfang des Jahres lerne ich also „on the Job“ den kaufmännischen Teil und kann viel von meinem Wissen aus der Kunststoffindustrie anwenden.

Ist dein Job nachhaltig?

Was macht deinen Job nachhaltig?- Ein klares Jein. Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff sind es erst einmal nicht. Sie können nicht recycelt werden (Verbrennen zähle ich nicht als Recycling), weil sie eine Schutzschicht haben, die dafür sorgt, dass die verpackten Lebensmittel nicht bzw. nicht so schnell verderben. Andererseits haben wir aktuell keine Alternative für unseren Herstellungsprozess und vor diesem Hintergrund ist diese Verpackung das relative Optimum. Bei der Betrachtung des CO2-Fußabdruckes wird neben der verwendeten Materialien, deren Herstellung und Wiederverwendung, auch der Transport berücksichtigt und hier schlägt Kunststoff alle anderen Materialien. Da für uns das Thema Produktsicherheit sehr wichtig ist, kommt Glas auch nicht in Frage. Auf der einen Seite viel zu schwer, auf der anderen sind Glassplitter im Tofu wirklich uncool.

Neben Projekten im Bereich Verpackungsmaterialien, bei denen neue Kunststoffkombinationen in anderen Materialstärken ausprobiert werden, geht es uns generell darum, bessere Lösungen für Mensch und Umwelt zu finden. Das kann bedeuten, dass wir weniger schädliche Reinigungsmittel einsetzen oder die Mengen reduzieren, ohne dass unser Produkt leidet. Darüber hinaus achten wir bei der Auswahl der Produkte, die wir einkaufen auch darauf, woher sie kommen und zu welchen Bedingungen sie hergestellt werden.

Mache ich meinen Job gerne?

Ganz klares JA! Ich liebe interdisziplinäre Arbeit. Neben dem kaufmännischen Bereich arbeite ich in einigen Projekten mit und habe viel Kontakt in anderen Abteilungen / Bereiche. Abgesehen davon, ist mein Arbeitgeber sehr sozial eingestellt und Tofu ist ein tolles Produkt! Und bevor jemand auf die Idee kommt zu meckern: Die Sojabohnen für unseren Tofu kommen ausschließlich aus Europa. Es wird kein Regenwald dafür abgeholzt und die Sojabohnen müssen auch nicht einmal um die halbe Welt gekarrt werden. 

Tipps zum nachhaltigen Arbeiten

So Klassiker wie „nur das Nötigste ausdrucken“ lasse ich mal weg, wobei wir durch Corona sehr viel flexibler geworden sind in unserer Arbeit (für die Menschen, für die das möglich ist!) und dadurch erfolgt vieles komplett papierlos. 
Die Klimaanlage (die es für das Büro tatsächlich braucht…) läuft nur im absoluten Ausnahmefall und dann auch nur kurz.- für Büromaterial gibt es Shops, die auf Nachhaltigkeit achten.- Habe ich auch erst neu gelernt: frage mal bei deinem Arbeitgeber nach dem Jobrad oder nach einer Beteiligung für das Ticket für den Nahverkehr.

Tipps zur Berufswahl

Folge deinem Traum! Und habe keine Angst vor Veränderungen!- Vertraue auf dein Bauchgefühl! Habe ich zwischendurch auch ignoriert und bin damit auf die Nase gefallen. Rückblickend kann ich auch sagen, es war für irgendetwas gut, sonst wäre ich heute nicht die, die ich bin. – heute ist es unwahrscheinlich, dass du vom Studium bis zur Rente in einem Job, bei einem Unternehmen tätig bist. Lerne dich kennen, was dir wichtig ist und was dir Spaß macht, habe dabei keine Angst über den Tellerrand zu blicken und um die Ecke zu denken. Es klingt nach Floskeln, aber es ist tatsächlich so. – informiere dich. ja die Vielzahl der Möglichkeiten kann erschlagend wirken, aber wie im Punkt davor schon genannt, man verändert sich eh noch und nur weil man eine Ausbildung gemacht hat / einen bestimmten Studiengang belegt hat, bedeutet das nicht, dass man sein Leben lang in diesem Job bleibt.

Einrichten des Arbeitsplatzes

So wenig wie möglich, soviel wie nötig. Aber auch das kann und darf sich verändern. Ich bezeichne mich gerne als Papiermenschen, weil ich im Schaffensprozess und beim Erarbeiten langer Texte am besten auf Papier arbeiten kann. Auch hier konnte ich reduzieren und einige Dinge auf elektronische Helfer umstellen. Wir testen gerade ein neues Tool zur Arbeitsorganisation, das papierlos und ortsunabhängig funktioniert:
 – ich bin ein großer Fan eines höhenverstellbaren Schreibtisches, denn Ergonomie ist sehr wichtig.
 – in irgendeiner Form sollte etwas Grünes in der Nähe sein. Entweder eine Pflanze oder der Blick auf eine Wiese / einen Wald
– entspannt sofort und macht (mir) gute Laune.

8. Arbeitsweg

Nur Klassiker: fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zur Arbeit- manchmal fahren wir mit dem Auto, wenn wir im Anschluss einkaufen fahren oder andere Besorgungen machen oder (und auch das ist hin und wieder ok) wenn mein Freund (und ich) 30 Minuten länger schlafen kann, ist das Auto auch ok. Zu unserer Verteidigung: ich hab das Auto gebraucht gekauft und es braucht 4 L / 100 km.  
9. Auswahl einer Firma- über die Firmenwebsite natürlich und es gibt Bewertungsseiten, wobei ich solche Portale grundsätzlich mit Vorsicht genieße.- eher allgemein: was macht dieses Unternehmen (Produkte/Dienstleistungen), wie stellen sie sich online dar (natürlich kocht jeder nur mit Wasser und in jedem Unternehmen gibt es Dinge, die nicht rund laufen), was tun die Firmen im Bereich Nachhaltigkeit / soziales Engagement – aber auch wichtig: lasst dem ganzen Entwicklungsmöglichkeiten. So wie wir nicht perfekt auf die Welt kommen und es nicht sind, sind es Firmen auch nicht. – In (Bewerbungs-) gesprächen einfach mal nachfragen, was das Unternehmen so macht. 

Mehr Tipps für dich

In meinem Buch bekommst du noch mehr Tipps, wie du deinen Berufsalltag nachhaltiger gestalten kannst.

2 Kommentare

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