Seit zwei Jahren bauen wir einen Teil unseres Gemüses in Köln selbst an. Wir haben dafür 100qm² von einem Feld gemietet. Wo genau, was wir pflanzen, wie du das machen kannst und warum wir das bald nicht mehr machen werden, schreibe ich dir hier.

Wo mieten wir das Feld?

Wir mieten das Feld von einem Bauern. Der hat einen größeren Acker in mehrere Parzellen unterteilt. Ich glaube 200 Stück. Und so eine Parzelle mieten wir. Wenn du das auch machen willst, dann schau einfach mal ob du bei dir in der Nähe etwas findest unter “Feld mieten in Köln” oder “Gemüsegarten mieten in Bonn”.

Das Feld Anfang Oktober

Wir groß ist das Feld und was kostet es?

Die Parzelle auf dem Acker die wir gemietet haben ist 100qm² groß. Das sind 16 Beete und 35 Reihen. Wir können das Feld von März bis Oktober bewirtschaften und zahlen für die gesamt Zeit 350€.

Was pflanzen wir an?

12 von 16 Beeten bepflanzt der Bauer vorab für uns. Das heißt, wenn wir im März auf unser Feld kommen, sind in acht Beeten schon Samen. Er setzt dort Samen von Kartoffeln, diverse Bohnensorten, Erbsen, Dill, unterschiedliche Pertersilien Sorten, Spinat, Mangold gelb und rot, Radieschen, Möhren, Pastinake und Rote Beete. Im April macht er die zweite Einsaat auf den restlichen Beeten. Kürbis, Gurken, Bohnen und noch ein paar Kleinigkeiten.

Vier von den 16 Beeten können wir selbst bepflanzen. Dieses Jahr haben wir dort Broccoli, Zucchini, Rosenkohl, Kohlrabi und Tomaten gepflanzt.
Eigentlich wollte ich dafür schon Setzlinge selbst zuhause vorziehen, weil das einfach die müllfreieste Möglichkeit ist. Dafür hätte ich dann 10 Tomatensetzlinge und 24 Kolhsetzlinge ziehen müssen.
Den Platz haben wir in unserer Wohnung nicht. Und unser kleiner Junge gräbt halt gern in Erde, also hätte das ganze irgendwo oben drauf stehen müssen. Das war nicht möglich. Also haben wir die Setzlinge vorgezogen gekauft.

Wenn die erste Ernte rum ist, pflanzen wir neues Gemüse auf dem Feld ein. Wenn die Radieschen geerntet sind, pflanzen wir eine neue Reihe ein. Die brauchen circa einen Monat um erntereif zu sein usw.

Das Feld links Anfang März und rechts Ende Mai

Habt ihr die Fruchtfolge und Mischkultur beachtet?

Fruchtfolge dient zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Es heißt, dass unterschiedliche Arten von Pflanzen / Gemüsesorten abwechselnd auf dem gleichen Boden gepflanzt werden sollen um dafür zur Sorgen, dass Nährstoffe im Boden erhalten bleiben und weniger Schädlinge und Krankheitsfälle auftreten. Einfach gesagt heißt das, dass nicht 100 Jahre lang Weizen auf einem Feld angebaut wird, sondern Weizen im Wechsel mit einem anderen Gemüse.

Mischkultur bedeutet, dass auf einer Anbaufläche nicht nur ein Gemüse angebaut wird, sondern mehrere. Beides erledigt der Bauer quasi für uns schon mit, da er den Großteil des Feldes aussäht.
Es gibt allerdings ein paar Vorgaben was wir nicht anbauen dürfen. Topinambur zum Beispiel, denn der wächst einfach immer weiter überall und ist schwer einzudämmen. Auch Minze kommt gefühlt jedes Jahr wieder und verteilt sich über alle der 200 Parzellen.

Ich sitze zwischen Erbsen, Bohnen und unserem Tomaten

Wie hältst du Schädlinge fern?

Da nutzen wir tatsächlich Mischkultur nochmal zusätzlich. Bei den Tomaten pflanzen wir Basilikum, bei den Kartoffeln Minze gegen die Käfer. Und dieses Jahr haben wir gegen die Kartoffelkäfer auch Kaffeesatz gestreut und einen sehr stinkenden Sud aus Brennnessel gesprüht (Brenneseljauche). Gefühlt waren es weniger Käfer als letztes Jahr. Da haben wir das nicht gemacht.
Sonst machen wir nichts gegen Schädlinge, das Feld braucht wenig.
Dieses Jahr hatten wir einen Pilzbefall, den irgendwie gefühlt alle in Köln hatten, sodass die ganzen Tomaten nicht mehr essbar waren.

Kartoffelpflanze und geerntete Kartoffel

Wo gibt es Pflanzen/Setzlinge und Samen?

Setzlinge kannst du in Baumärkten kaufen, auf Wochenmärkten, Gärtnereien und auch bei manchen Gemüsebauern*innen vor Ort. Es gibt sie auch in Bio-Qualität. Oft sind 8 Setzlinge in einer Plastikschale. Die Schale kannst du zurück geben und behalten um ein Jahr später selbst Setzlinge zu ziehen. Samen bekommst du auch dort. Auch in Bio. Es gibt mittlerweile auch immer mal wieder Samen-Tauschbörsen lokal oder im Internet.
Suoer Heros ziehen komplett selbst. Du kannst zum Beispiel aus einer Kartoffel eine ganze neue Pflanze wachsen lassen, oder aus Tomatenkernen eine neue Pflanze. Du kannst also für das Folgejahr, ganz einfach Samen selbst trocknen und aufbewahren.

Kohlrabi Setzling

Welche Sachen würdest du anpflanzen? Was empfiehlst du?
Nur das was du mega gerne isst. Wir haben immer viel Mangold und Spinat ernten können. Ich muss sagen, das Waschen und ernten hat mir zu lange gedauert. Da hätte ich lieber mehr Kartoffeln gehabt. Dieses Jahr wollten die Freunde die mitgemacht haben unbedingt viele Zucchini anpflanzen. Ich mag Zucchini nicht soooo gern. Musste aber doch so 15 Stück essen, damit sie nicht im Müll landen.

Hätte ich die 100qm² frei zur Verfügung würde ich anbauen: Kartoffeln, Möhren, Tomaten, Broccoli, Kohlrabi und Erbsen. Auch einfach, weil das die spannendsten Gemüsesorten für unseren großen Sohn sind. Die kann er gut ausbuddeln und manches davon direkt auf dem Feld essen. Das hat im Spaß gemacht.

Wie oft muss man hin?

Wenn wir das Feld allein bewirtschaften würden müssten wir im März nur einmal hin um Samen oder Setzlinge zu setzen. Mitte / Ende April geht es langsam los mit Unkraut jähten oder Boden aufrauhen. Da reicht es im April zweimal zu kommen, je 2 Stunden. Ab Mai müssten wir wöchentlich hin. Ein bis zweimal für mindestens 2 Stunden. Also 4 Stunden pro Woche. Es hängt total vom Wetter ab. Dieses Jahr war das Wetter so ein guter Mix zwischen Regen und Sonne, dass ich teilweise 2 Stunden gebraucht habe nur um eins von den 16 Beeten von Unkraut zu befreien.
Eigentlich muss man zweimal die Woche für sicher 2 Stunden dort hin. Das ist das Minimun. Es muss gegeossen werden und geerntet. Alleine eine händische Spinaternte und Mangoldernte kann 2 Stunden dauern. Tomaten sollten hochgebunden und ausgegeizt werden auch das dauert sicher 2-3 Stunden je nach Menge. Also es kann schon ein Aufwand von 2-8 Stunde pro Woche sein. je nachdem was gepflanzt ist und wie das Wetter ist. Und je nachdem wie sehr du hinterher bist. Wenn du mal 3 Wochen garnicht da warst und es hat geregnet und es gab Sonne, dann ist das Unkraut vielleicht ein Meter hoch:). Wir hatten dieses Jahr 2 Beete nicht direkt bepflanzt. Also mussten wie vor dem Pflanzen erst einmal jeweils 2 Stunden Unkraut rausarbeiten und die Erde wieder glätten.
Dazu kommt dann noch Auto/Fahrrad putzen und eigene und Kinderkleidung waschen:)

Spinat schneiden

Was würdest du nicht anpflanzen?

Alles was du nicht so gerne magst. Ich würde nicht mehr pflanzen: Zucchini, Aubergine, Pastinake, Petersilie, Blumenkohl.
Und denk daran, alles was du selbst aus der Erde holst hat sehr viel Erde dran. Das Gemüse sieht nicht so aus wie im Supermarkt! Benstenfalls hast du eine Bürste auf dem Feld und machst die Erde dort grob ab.

Warum gebt ihr das Feld zu nächstem Jahr ab?

Es ist mir zu viel.
100qm² richtig gut zu bewirtschaften könnte unseren eigenen Gemüsebedarf für 5 Monate decken. Dazu muss einiges organisiert werden.
Geerntetes muss immer zeitnah verarbeitet oder gut gelagert werden, wenn man nichts wegwerfen will. Neue Rezepte rausgesucht werden, Gemüse gut gewaschen werden. Das dauert länger, als wenn wir einfach unsere standard Einkäufe machen.
Setzlinge müssen gekauft werden. Ein Pflanzplan gemacht werden. Wir lernen immer noch dazu und müssen öfter mal recherchieren wie zum Beispiel Pflanzen behandelt werden, wie man Tomaten ausgeizt, wie man natürlich Schädlinge bekämpft.
Geplant werden, wann wir hin fahren können, neben Arbeit, Kindergarten usw.
Wir fahren circa 25 Minuten mit dem Rad hin. Also ist es wenn immer ein Ausflug von mindestens 3 Stunden. Mit Kindern anziehen und Essen packen usw. Tomatenhaus muss organisiert und gesetzt werden. Pflanzen eingepflanzt, gegossen. Das alles geht mit Kids. Was langweilig für die beiden ist, ist Unkraut jäten. Das dauert aber am längsten. Also habe ich das wenn ohne Kids gemacht oder wenn eine andere Erwachsene*r dabei war. Sonst war mir das zu stressig, weil ich Angst hatte der Kleine versteckt sich und ich finde ihn nicht mehr oder eh rennt auf die Straße die circa 50 Meter weit weg ist.
Und natürlich habe ich auch viel Zeit für Fotos und Videos gebraucht. Die brauchst du wahrscheinlich nicht:).

Wir hatten das Feld jetzt zwei Jahre und haben uns das immer mit Freund*innen geteilt. Einfach weil ich schon wußte, dass es für uns allein zuviel Arbeit ist.
Meist haben wir uns das zu dritt geteilt. Eine von den drei Parteien ist immer nach zwei Monaten abgesprungen. Einfach weil es doch herausfordernd ist, es in den eigenen Alltag zu intergrieren. Aber genau die Arbeitskraft hat uns dann immer gefehlt 🙂
Und für mich ist es echt herausfordernd einfach Gemüse auf dem Feld schimmeln oder vertrocknen zu lassen, also ich bin dann öfter hin als geplant. Hätte ich auch einfach etwas lockerer sein können, kann ich aber nicht:)

All das sind dir Gründe, warum wir das Feld nächstes Jahr nicht mehr haben werden. Wenn es 20qm²groß wäre und 15 Minuten von zuhause weg würde ich es behalten. Vielleicht machen wir es wieder, wenn die Jungs größer sind.

Was ist das Schöne am eigenen Feld?

Das erste Mal hatten wir unser Feld in 2020. Das Jahr in dem man quasi fast nichts draußen machen konnte mit den Kids. Das Feld war quasi unser Spielplatz Ersatz eine ganze Zeit lang. Ich verbinde mit unserem Feld viele viele wunderbare Erinnerungen. Das hätte ich vorher nicht gedacht.

All die lustigen Fahrten mit dem geliehenen Lastenrad bei denen wir laut gesungen haben. Mein großer Sohn saß das erste Mal in einem Lastenrad. All die Freude die wir hatten wenn wir wieder eine Kartoffel gefunden haben. Mein Sohn der sich direkt in das Tomatenhäuschen setzt und alle reifen Tomaten ist. Die Erbsen die ich, wie früher bei meinem Opa, direkt von der Pflanze gegessen habe. Die schöne Zeit im Grünen. Die Vorfreude auf den Donnerstag an dem der Bauer auch immer dort war um seine Erdbeeren zu verkaufen. Mein Sohn der fast täglich fragt wann endlich Donnerstag ist und wir auf das Feld können. Die Zeit die wir draußen zu viert hatten. Wir haben soviel gelacht. Über Gummistiefel du so voller Erde waren, dass sie von den Füßen gerutscht sind, über lustige Gemüse. Über große und kleine Möhren.
Was wir alles zusammen gelernt haben. Das wir etwas zusammen gemacht haben. Wie wir dort hockten und Marienkäfer bestaunt haben. Wie wir Löcher gebuddelt haben. Das erste Mal, dass ich gesehen habe wie Rosenkohl wächst. Was wir alles neues probiert haben.
Das wir uns das Feld auch mit Freund*innen geteilt haben und die dann dort immer wieder getroffen haben. Es war eine wunderschöne Zeit und ich will es gern wieder machen.

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