Wie bekommen unverpackt Läden ihre Ware?

Die Frage: „Wie bekommen unverpackt Läden ihre Ware“ wird mir öfter gestellt und ist eine super Frage! Ich finde es wichtig zu wissen, ob durch unverpackt Läden wirklich Müll eingespart wird oder nicht!

Zentraleinkauf oder jeder wie er will?

Ganz vorne weg, finde ich es wichtig zu wissen, dass die Gründer/innen von unverpackt Läden, sehr frei in ihren Entscheidungen sind.
Sie können selbst Kooperationen mit Zulieferern aufbauen und sind nicht an ein Einkaufssystem gebunden.
Das ist zum einen ein riesen Vorteil, da sie sehr regionale Anbieter auswählen können. Zum anderen ist es eine riesen Aufgabe, so das Sortiment zusammen zustellen. Da sehr viele Zulieferer kontaktiert werden müssen und einzeln ausgewählt werden müssen.
Ich dachte es gibt vielleicht schon ein riesen Unverpackt Laden – Bestellsystem, in dem einfach Online bestellt wird und alle Waren zusammen geliefert werden. Gibt es nicht.
Filiz von Migori, hat mich eingeladen einmal hinter die Kulissen zu schauen und ich nehme euch mit und zeige euch wie viel Müll anfällt.

Feste Waren wie Linsen, Nudeln, Haferflocken

Feste Waren wie Mehl, Linsen, Nudeln, Haferflocken, Kaffee, Müsli und und und kauft Filiz in Großgebinden ein.
Großgebinde heißt: In 5-25 kg oder mehr Verpackungen. Auf dem Bild seht ihr solche Verpackungen.
Diese werden dann in die Röhren umgefüllt. Der Vorteil hierbei ist, dass die vielen kleinen Verpackungen wegfallen, die wir Kunden normalerweise nach Hause tragen.
Hier ist Filiz stark mit den Lieferanten im Austausch und will, wie auch viele andere Inhaber/innen von unverpackt Läden, dafür sorgen das diese Waren in wiederverwendbaren Boxen geliefert werden. Die Zulieferer passen sich dem so langsam an, mittlerweile liefern schon einige in Mehrweg-Gebinden.
Wer von euch keinen unverpackt Laden in der Nähe hat, kann gern überlegen, ob er vielleicht Nudeln oder Reis in 5 kg Säcken einkauft. Das spart Verpackung ein.

Gemüse, Obst, Brot, Käse

Gemüse, Obst, Brot und Käse beziehen viele unverpackt Läden von regionalen Anbietern. Bauern aus der Umgebung und Bäckereien aus der Umgebung.
Der Vorteil daran: Die Inhaber/innen der Läden stehen in direktem Kontakt mit den Lieferanten und können so direkt ansprechen, wie die Ware angeliefert werden soll und haben einen direkten Einfluss auf die Art der Anlieferung.
Also mit weniger, am besten gar keiner Verpackung.

Bei einem meiner Arbeitgeber, wurden jeden Morgen Brötchen und Brot angeliefert. Die waren in Plastik und Papier verpackt. Nach der Anlieferung wurden diese ausgepackt und in Brotkörbe gelegt, die Verpackung wanderte in den Müll. Hier hätten wir z.B. darum bitten können, dass die Backwaren in grünen Kisten geliefert werden, die dann einfach am nächsten Tag wieder mitgenommen werden. Hätte knapp 800 Papiertüten und 800 Plastiktüten pro Jahr gespart und das in nur einer Firma!

Was passiert mit den Verpackungen?

Der Verpackungsmüll der im unverpackt Laden anfällt wird so gut wie möglich weitergenutzt.
Filiz hat anfangs einige Kartons an Menschen gegeben, die diese für ihren Umzug brauchten, mittlerweile werden die Kartons monatlich abgeholt und weiter verwendet.
Kleinere Kartons könnten an Menschen wie mich gegeben werden, die einen Online-Shop (http://www.wastelesshero.com/shop) haben und Pakete versenden.

Was ist mit nicht-verkäuflichen Lebensmitteln?

Auch in einem unverpackt Laden gibt es schon mal Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können.
Zum Beispiel Brot vom Vortag. Viele unverpackt Läden bieten diese Waren dann noch zu 50% des Preises an oder geben diese den Mitarbeitern mit.
Für alles was dann nicht weg geht, gibt es zum Beispiel Foodsharing.

Die Auswahl von Lieferanten

Filiz habe ich, 3 Monate nach Eröffnung gefragt ob sie Zahnseide im Sortiment hat. Darauf meinte sie: „Noch nicht, die ist eigentlich immer aus Plastik, oder Seide und damit nicht vegan. Da muss ich mich noch entscheiden.“ Die Antwort fand ich mega cool.
Sie hat mir so ganz einfach gezeigt, wie herausfordernd es ist: Das richtige Produkt zu finden. Viele Unternehmen entscheiden nur danach wer der günstigste Anbieter, zur passenden Qualität ist. Bei einem unverpackt Laden fließen da noch viele andere Kriterien in die Entscheidungen mit rein.

Die Auswahl von Lieferanten, läuft bei dem unverpackt Laden ähnlich wie bei meinem Online-Shop.
Ich könnte zum Beispiel unverpackt Läden mit meinen Bio-Baumwoll-Slipeinlagen beliefern. Die würden dann in den unverpackt Läden verkauft.
Die Inhaber/innen von unverpackt Läden schauen was es so auf dem Markt gibt, holen sich Angebote ein, prüfen die Produkte und wenn die passen kommen die ins Sortiment.
Dabei sollten die Produkte noch zu den Vorhaben der Inhaber/innen passen. Oft ist das sowas wie: Plastikfrei verpackt, vegan, Bio, regional…

Du siehst also, es ist schon um einiges aufwendiger das Sortiment zusammenzustellen.
Filiz hat daher nach und nach neue Produkte dazu geholt.

Spart ein unverpackt Laden wirklich Müll ein?

Wenn ihr mit euren eigenen Beutel und Dosen in den unverpackt Laden geht dann ja!
Sagen wir mal 10 Menschen würden dort je 1 kg Nudeln pro Tag kaufen. Dann sind das 10 kg die Filiz in einer großen Papiertüte kauft.
Würden diese 10 Menschen das in einem Supermarkt kaufen, wären das 10 kleine Plastikverpackungen.
Wenn die Lieferanten sich dem System weiter anpassen, ist es sogar denkbar, das die Nudeln direkt in einem wiederverwendbaren Container geliefert werden.
Zudem setzen sich unverpackt Inhaber/innen dafür ein, dass die Waren müllfreier angeliefert werden. Das machen große Supermarkt-Ketten nicht so stark.

Wenn du aus Köln kommst, schau gerne in diesen Beitrag. Dort findest du meinen Guide zum unverpackt Einkaufen in Köln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere