30 Jahre altes Plastikspielzeug – ist das BPA frei?

Vor ein paar Wochen habe ich den Speicher bei meinem Papa aufgeräumt. Dabei habe ich unser altes Plastikspielzeug wiedergefunden. Ich weiß noch genau wie wir vor circa 20 Jahren alles auf den Speicher gepackt haben. Meine Mama wollte, dass wir das Spielzeug verschenken, wir meinten „Nein, damit sollen unsere Kinder einmal spielen!“. Schön und gut. Jetzt, mit 32 Jahren, frage ich mich ob mein altes Spielzeug schadstofffrei ist und ich es Herrn Baby wirklich zum spielen geben sollte. Haben sich die alten Schadstoffe darin vielleicht einfach aufgelöst?

Ist 20-30 Jahre altes Spielzeug schadstofffrei?

Um es mir einfach zu machen, habe ich einfach 3 große Hersteller angeschrieben. Ihr kennt die großen wahrscheinlich auch alle.

Hallo liebes XXX – Team,
wir haben noch unser altes Kinder Spielzeug von XXX auf dem Speicher. Gern will ich dies jetzt für mein Kind nutzen.
Könnt ihr mir sagen ob die 25-30 Jahre alten Spielzeug BPA frei sind und auch keine anderen Schadstoffe erhalten?
Oder sind diese Schadstoffe nach dieser Zeit nicht mehr in dem alten Spielzeug enthalten?

Die Antworten die ich erhielte ähnelten sich sehr. Aller Hersteller gaben an, dass sie sich an die damals geltenden Richtlinien für Kinderspielzeug gehalten haben. Das ist für mich schon mal eine beruhigende Antwort. Da bleibt nur noch eine Frage offen.

„Alle unsere Produkte entsprechen den internationalen Sicherheitsrichtlinien für Spielzeuge und auch in der Vergangenheit haben wir die jeweils zum Produktionszeitpunkt gültigen Sicherheitsrichtlinien selbstverständlich eingehalten.“

Welche Sicherheitsrichtlinien galten vor 20-30 Jahren

Die Frage hatte ich nach den Antworten der Hersteller direkt im Kopf Die 2. Frage war: „Wie kriege ich das jetzt raus?“. Darauf habe ich keine Antwort. Denn zum einen weiß ich nicht genau wie alt das Spielzeug wirklich ist. Es kann ja sein das meine Eltern das gebraucht gekauft haben, oder gebraucht geschenkt bekommen haben. Oder mein Bruder vorher damit gespielt hat und dann erst ich. Oder es aus irgendeinem Land kommt, indem andere Richtlinien galten als bei uns.
Uns wenn ich mal ehrlich bin, ich hab keine Ahnung wie ich sowas recherchieren sollte. Also ist die beste Lösung jemand zu fragen der mehr Ahnung hat.
Gesagt Getan! Direkt den WWF angeschrieben. (Ich habe keine Kooperation mit dem WWF und verdiene kein Geld weil ich die hier nenne. Der WWF schien mir einfach die beste Stelle zum Nachfragen).

Meine Anfrage bei WWF

Die lieben Mitarbeiter von WWF haben extra bei ihren Fachkollegen nachgefragt um mir eine gute Antwort zu liefern. Das hat mich wirklich beeindruckt und deshalb noch einmal ein fettes DANKE an WWF!!!
Ich bekam 2 Antworten.
Aus der ersten entnahm ich, dass BPA sich nicht mit der Zeit verflüchtigt, also einfach in Luft auflöst. Es kann also lange in altem Spielzeug enthalten bleiben. Ich dachte, wenn das Spielzeug alt ist, dann lösen sich die Schadstoffe nach so vielen Jahren einfach in Luft auf.

Erste Antwort:
„Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Grundsätzlich gibt es sowohl flüchtige als auch nicht flüchtige Chemikalien, wobei nicht  gesagt werden kann, dass sich erstgenannte mit der Zeit auch vollständig aus dem Produkt gelöst haben. BPA hat einen so hohen Siedepunkt, dass es nicht als flüchtig angesehen werden kann. Es ist Teil des Polymers und kann nur durch dessen Zersetzung oder als nicht ausreagiertes Restmonomer in Produkten vorhanden sein. Es kann also gut sein, dass auch in alten Produkten nach wie vor aus heutiger Sicht problematische Chemikalien enthalten sind. Hinzu kommt, dass früher Grenzwerte für bestimmte schädliche Chemikalien in Produkten nicht existierten oder evtl. höher waren. Daher wäre die Empfehlung für Kunden, Produkte zu kaufen, die möglichst frei von umweltschädlichen Schadstoffen und geprüft sind. Hinweise gibt es zum Beispiel in der Zeitschrift Öko-Test oder durch Produktkennzeichnungen wie der Blaue Engel für Spielzeug. Auf www.label-online.de können Informationen über weitere Prüfzeichen abgerufen werden.“
Die zweite Antwort enthielt sehr coole Tipps für die weitere Recherche, dazu später mehr.
Zweite Antwort:
„Deine Initiative, altes Kinderspielzeug bei den eigenen Kids weiterzuverwenden, finde ich klasse – zumal das in unserer Familie auch üblich ist!
Wie XXX schon geschrieben hat, ist BPA leider nicht unsere Expertise. Die beste zusammenfassende Studie zu BPA, die ich kenne, ist beim Umweltbundesamt erhältlich unter.
Aufschluss zu Kinderprodukten gibt außerdem das Bundesamt für Risikobewertung
Bei einer konkreten Frage zu BPA im Kinderspielzeug würde ich mich an die lokale Verbraucherzentrale wenden.“

Altes Plastikspielzeug entsorgen oder behalten?

Tja wie so oft habe ich mich nun gefragt… geben wir Herrn Baby altes Plastikspielzeug oder werfen wir das alles weg. Spielzeug das noch nicht so alt ist geben wir Herrn Baby. Das Alte werden wir wegwerfen, denn das sind momentan nur so 2-3 Teile. Wenn Herr Baby größer ist, dann werden wir zu jeder Marke genau recherchieren. Laut dem Bundesamt für Risikobewertung „trägt Spielzeug nur marginal zu der Bisphenol A-Aufnahme von Kindern bei.“ (Link). Lest euch gern auch einmal die Fragen und Antworten unterhalb des Artikels dort durch. Die sind sehr aufschlussreich, auch wenn es um Fragen zum Schnuller geht.
Daher ist für uns schon vor der Geburt von Herr Baby klar gewesen, dass wir weitesgehend auf Plastik verzichten werden.

Ich hab für dich ein Video gedreht in dem ich dir zeige welche plastikfreien und zerowaste Produkte es für Babies gibt. Das sind die Produkte die wir nutzen. Ich bin weder Ärztin noch Hebamme, deshalb sind das keine Handlungsvorgaben. Ich zeige dir einfach nur wie wir das mit Herrn Baby gemacht haben.

Wenn du dir noch unsicher bist, dann wende dich doch an deine Verbraucherzentrale.

Der Vollständigkeit halber, hier mal eine ganze Nachricht eines Herstellers:

Guten Tag Frau Schmidt,

„Selbstverständlich werden bei PLAYMOBIL-Produkten die Internationalen Sicherheitsnormen (EN 71) für Spielzeug eingehalten. Bei Gestaltung und Material achtet man sehr darauf, dass Kinder durch PLAYMOBIL-Produkte nicht zu Schaden kommen. So gibt es z. B. keine scharfen Kanten und auch keine gesundheitsgefährdenden Phtalate (Weichmacher). Wir entsprechen somit den EU- Sicherheitsvorschriften.

Zu 95 % besteht PLAYMOBIL aus Kunststoff, überwiegend ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere), aber auch Polystyrol, Polyamid, Polyethylen u.ä. PLAYMOBIL ist PVC-frei. Verarbeitet werden nur hochwertige Materialien, die den hohen Anforderungen hinsichtlich Qualität, Stabilität, Sicherheit, Farbgebung, Funktionalität und Hygiene gerecht werden. Diese Materialien verhalten sich neutral, geben keine Schadstoffe ab, sind also schweiß- und speichelecht. Der größte Teil der für PLAYMOBIL eingesetzten Kunststoffe ist auch für Lebensmittelberührung zulässig.

Bei den von uns eingesetzten Materialien handelt es sich hauptsächlich um ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), PE (Polyethylen) und PP (Polypropylen). Figuren werden übrigens in der Regel aus ABS gefertigt. Unsere PLAYMOBIL-Badeschlappen für Figuren sind aus TPE (Thermoplastisches Elastomer) und die Flexibilität wird durch medizinisches Weißöl erzielt.

Unsere Spielwaren sind LGA-geprüft, hierbei handelt es sich um ein unabhängiges Prüfinstitut (TÜV Rheinland).“

Kategorie Baby & Kind
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Ich bin Anke und freue mich sehr das du hier bist. Hier findest du Tipps mit denen wirklich jeder einfach ohne Plastik leben kann.

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